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Die Lüge vom Aussterben der Honigbiene

Ich habe es heute schon wieder gehört: Eine junge Imkerin behauptet mit einer an Penetranz erinnernden Hartnäckigkeit, die Honigbiene sei vom Aussterben bedroht. Und sie zitierte das berühmte Zitat von Einstein: Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch drei Jahre zu leben. Beides ist falsch!  Weder ist die Honigbiene vom Aussterben bedroht, noch stammt dieses Zitat von Albert Einstein. Und vom Aussterben der  Honigbiene sind wir so weit weg, wie die Erde vom Jupiter.

Ich finde es sehr, sehr bedenklich, dass jemand Weisheiten verbreitet, ohne sich überhaupt zu informieren, ob diese Weisheiten überhaupt den Tatsachen entsprechen. Noch schlimmer finde ich es in diesem Fall, denn besagte Imkerin unterrichtet Kinder mit diesen Lügen und bereitet sie damit schon auf ein falsches Umweltbewusstsein vor. Bitte lieber Leser: Wann immer du einen Kurs, eine Schulung oder sonst irgendeine ausbildene Tätigkeit übernimmst: Informiere dich, mach dich schlau, recherchiere. Sei bitte nicht wie diese junge Imkerin, die offensichtlich nicht willens ist, sich Wissen anzueignen. Aber sie steht nicht alleine da, mit diesen dummen Aussagen. Ich habe in diesem Jahr immer wieder das Märchen vom Aussterben der Honigbiene gehört und das traurigerweise gerade von Imkern. Also von Menschen, die es besser wissen sollten.

Lass uns gemeinsam ein paar Tatsachen betrachten. Nehmen wir, weil es besonders schnell geht, das Nicht-Einstein-Zitat: Wie jeder kinderleicht recherchieren kann, hat ein "konfuser Imker" einige Aussagen verwechselt und deshalb das belannte Zitat Einstein falscherweise in die Schuhe geschoben. Es ist einfach nichts dran an dieser Aussage. Und es ist nichts dran am Inhalt in Bezug auf die Honigbiene.
Vielleicht handelt es sich dabei genauso um einen Irrtum, wie bei dem Zitat um Einstein. Aber wir haben heute so viele Möglichkeiten, uns Informationen einzuholen, dass niemand mehr falsches Wissen vermitteln musst und sagen kann, er habe es nicht besser gewusst. Damit du es besser weißt, erzähle ich dir hier ein paar bei Fachleuten erlernte Fakten, die ich natürlich auch noch nachrecherchiert habe.

Die Honigbiene ist ein Nutztier mit einer beachtlichen Bestäuberleistung. Es macht Freude, mit Bienenvölkern zu arbeiten. Es macht sehr vielen Leuten Spaß und viele Leute sind auch gerne bereit, aus Leidenschaft zur Honigbiene einen Teil ihrer Freizeit für die nicht unerheblichen Aufgaben rund um das Bienenvolk zu opfern. Zu diesen Aufgaben gehört auch der Schutz der Bienenvölker vor Bedrohungen, wie z.B. diversen Krankheiten und auch gegen die Varroamilbe. Letztlich macht es mehr Spaß als Arbeit, denn mehr als 100000 Menschen in Deutschland zählen sich zum Kreise der Imker. Zusammen besitzen sie mehr als eine Million Bienenvölker! Eine Million Bienenköniginnen legen Tag für Tag Eier gegen das Aussterben der Honigbienen. In Spitzenzeiten befinden sich in einem Bienenvolk bis zu 40000 Bienen. Natürlich gibt es auch stärkere oder schwächere Völker. Doch wir können so grob davon ausgehen, dass es in Deutschland mehr als eine Million mal 40000 Honigbienen gibt. Alleine in Bayern stehen mehr als 190000 Bienenstöcke! Klingt das nach Aussterben? Ganz sicher nicht.

 

Vom Aussterben bedroht sind hingegen die Wildbienen. Ihre Population geht von Jahr zu Jahr zurück. Von einigen Arten gibt es nur noch so wenige Bienen, dass es nicht mehr zur Paarung kommt, weil sich die Bienen nicht mehr finden. Grund für diesen Schwund sind das Fehlen von Lebensraum und Nahrung. Viele der Wildbienen sind auf die richtigen Futterpflanzen angewiesen. Bei immer mehr Monokultur und gepflegte Feldrainen und Waldrändern bleibt ihnen nichts zum Überleben.

Imkerei ist ein tolles Hobby. Doch jeder Imker sollte sich im Klaren darüber sein, dass er keinerlei Beitrag zum Artenschutz trägt und dass die Haltung von Nutztieren Verantwortung erfordert. In Naturschutzgebieten und deren Randgebiete hat die Honigbienen nichts zu suchen. Sie ist Nahrungskonkurrenz der Wildbienen. Und zwar nicht, weil sie alles wegfrisst, wie man von überbesorgten, uninformierten Menschen oft hört. Sondern weil es kaum etwas gibt. Es ist alles wegrationiert, was Wildbienen dringend benötigen. Gerade Naturschutzgebiete sollten daher allein den Wildbienen gehören. Man sollte sich auch Gedanken machen, was man für Wildbienen im Speziellen tun kann. Ich habe mir darüber ja bereits einige Gedanken gemacht, die ihr hier findet.
Es gibt Imker, die machen nicht nur Kurse in denen sie die Mär von der aussterbenden Honigbiene erzählen. Sie machen auch noch Provit auf Kosten des grünen Gewissens der Leute. Sie bieten Bienen- und Blühpatenschaften an, die BEIDE dem Artenschutz keinen Millimeter weiter helfen. Sie sind nichts als Geldmacherei. Auch darüber habe ich bereits geschrieben und zwar hier. Bitte überlegt genau, wie ihr eure Mühe und euer Geld für den Arten- und Umweltschutz investiert. Lasst euch nicht über den Tisch ziehen. Informiert euch gut, damit eure Arbeitsleistung und euer Geld da landet, wo sie dringend benötigt wird, bei den wilden Insekten und den wilden Verwandten unserer Honigbiene!

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Kommentare: 11
  • #1

    Roswitha (Montag, 02 Dezember 2019 18:02)

    Ich kann nur empfehlen mal mit der Autorin des Beitrages zu reden, chatten, sonst Kontakt aufzunehmen. Nicht viele Leute sind so gut informiert und wissen so viel über WAHREN Artenschutz. Ich hab viel Geld ausgegeben für Bienenpatenschaften, Blühwiesenpatenschaften, bis ich die Fakten erfahren hab. Ja und auch ich habe das viele Geld einem Imker in den gierigen Rachen geschoben, der mir wohlwissend, dass die HOnigbiene nicht ausstirbt, gerne mein Geld abgenommen hat. Jetzt investiere ich in Renaturierung und das bringt wirklich was. Auf den Flächen die von uns letztes Jahr im Herbst angebaut wurden, haben sich schon zwei sehr seltene Wildbienen angesiedelt. Informiert euch, fragt! Aber bitte werft euer Geld nicht für Blüh- und Bienenpatenschaften sinnlos raus!

  • #2

    Jamal (Montag, 02 Dezember 2019 19:08)

    Gut geschrieben. Kann das nur bestätigen. Blühwiesen sind in aller Regel nur Futterpflanzen für Honigbienen, die ganz klar nicht vom Aussterben bedroht ist. Geldschneiderei auf dem Rücken vom Artenschutz! Renaturierung, Pflanzung von garantiert heimischen Wildpflanzen ist es, wofür Geld gut angelegt ist. Das und nur das hilft den AUSSTERBENDEN ARTEN

  • #3

    Rita (Montag, 02 Dezember 2019 19:11)

    Haha Liebchen! Ich finde es göttlich wie du erst all deine Gedanken mal grob blogst. Und dann das große Rechtschreibkorrigieren... Aber danke, dass du unermüdlich aufklärst über derartige Misstände, die wahren Artenschutz nicht nur hinderlich, sondern vielmehr sogar zu dessen Schaden ist!

  • #4

    Kelvin (Montag, 02 Dezember 2019 22:21)

    Besagte junge Imkerin ist halt mit 19 Jahren vielleicht noch nicht soweit die Folgen ihres Handelns in ganzer Tragweite zu verstehen. Sie plappert halt nach was die ihr vorplappern die es besser wissen sollten. Ich hab auch schon mit ihr gesprochen. Doch sie rattert gebetsmühlenartig den immer gleichen Text ab. Nicht mal das das Zitat nicht von Einstein ist will sie glauben. Traurige Marionette. Aber Hoffnung hab ich schon das sie es irgendwann kapiert.

  • #5

    Hartmut (Montag, 02 Dezember 2019 23:32)

    Guter Text und gute Aufklärung. Zu viele meinen wirklich, die Honigbiene sei vom Aussterben bedroht und investieren ihr Geld in sinnlose Patenschaften. Da wo es wirklich gebraucht wird fehlt es. Unverantwortliche Imker tragen ihren Beitrag zum Artensterben bei

  • #6

    Mareike Holstmann (Dienstag, 03 Dezember 2019 13:32)

    Wichtiges Thema auf den Punkt gebracht. Seit Jahren kämpfen wir gegen unsinnige Blühstreifen und dafür, stattdessen Flächen als Lebensraum für schutzbedürftige Insekten bereit zu stellen. Nichts bewegt sich. Viele Imker arbeiten gegen den Artenschutz. Tut sehr gut zu sehen, wenn ImkerInnen auch offen für Artenschutz handeln. Danke!

  • #7

    a.r. (Dienstag, 03 Dezember 2019 18:51)

    Wichtiges Thema. Für viele zählt halt nur wenn die Kasse klingelt. Dann wird ein Geschäftsmodell halt Artenschutz genannt und schon rollt der Rubel. Dass jeder Dorfdepp Kinder oder auch Erwachsene unterrichten darf gehört lang verboten. Da werden zu oft Fakenews auf die schnelle unter das Volk gebracht.

  • #8

    Imke (Mittwoch, 04 Dezember 2019 10:54)

    Gut so das muss mal gesagt werden! Danke für die Aufklärungs Arbeit

  • #9

    name (Mittwoch, 04 Dezember 2019 18:26)

    Ge weida, des glaubt doch keiner das es Imker gibt was meinen die Honigbiene ist vom Aussterben bedroht. Magst dich wichtigmachen?

  • #10

    Katha (Mittwoch, 04 Dezember 2019 18:51)

    @name Google doch einfach mal. Da wird dir übel, wenn du rausfindest, wie viele Imker und sogar Imkervereine neue Mitglieder mit dieser Lüge anwerben und damit dem Artenschutz massiv und nachhaltig Schaden zu fügen. Immer werden dann Statistiken herangezogen, in denen gezeigt wird, dass es noch vor 30 Jahren ungleich mehr Bienenvölker gab, was ja auch den Tatsachen entspricht. Jedoch wird geflissentlich vergessen, die Statistiken zu zeigen, wie sehr das Futterangebot gesunken ist. Damals gab es noch sogenannte Feldraine, in denen unzählige Wildblüten standen. Es gab Wildsträucherhecken und Wälder waren gesäumt von Blüten und Sträuchern. Das Nahrungsangebot ist so gering geworden, dass es zu einem großen Problem wird, wenn immer mehr Imker angeworben werden. Daran ändern auch Blühstreifen und Blühwiesen nichts. Das Alibipolitik, da das wieder nur Futterpflanzen für Generalisten sind und die wirklich vom Aussterben bedrohten Wildbienen gehen leer aus und verhungern weiter. Wir brauchen nicht noch mehr Imker, die verantwortungslos Lügen verbreiten. Wir brauchen Aktivitäten FÜR WILDBIENEN

  • #11

    Hotus Managerin (Donnerstag, 05 Dezember 2019 11:11)

    Das Futterangebot reicht einfach nicht für noch mehr Honigbienen und die Wildbienen. Es gibt in Deutschland Schätzungen zu Folge eine geringere Wildbienen- als Honigbienendichte. Das heißt: Über 500 Arten von Wildbienen sind alle zusammen weniger Bienen, als die Honigbiene. Da bleibt halt nichts und da muss sich jeder Imker bei der Nase packen. Ganz besonders die was die Lüge von der aussterbenden Honigbiene erzählen. Das geht so nicht. Der Schaden wird noch größer und immer noch größer. Man sollte solche Lügner anzeigen können ich würde das tun!