· 

Geliebt oder gehasst - das Indische Springkraut

Das Indische oder Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) wird von vielen gehasst. Es ist eine invasive Pflanze, die wirklich alles unterdrückt, sogar Brennesseln. Wo sich diese Pflanze ausbreitet, ist für andere Pflanzen kein Raum mehr. Kein Wunder, dass der gemeine Europäer dieses  hausgemachte Problem gerne wieder loshaben will. Kurzerhand wird das Springkraut also von vielen Leuten einfach ausgerissen, wenn sie es sehen. Das ist aber nur auf den ersten Blick eine gute Idee.

 

Bei genauerer Betrachtung erschafft man durch derart konsequentes Handeln in dieser Sache nur neue Probleme. Wie so oft, wenn der Mensch in die Natur eingreift, kommt am Ende nur Mist raus, oder zumindest ein (weiteres) Problem: Reißt man das Springkraut aus, reißt man Futterpflanzen für zahlreiche Insekten aus. Die verhungern dann einfach. So kurz und knapp kann man das sagen.

Und wer hat das Desaster mal wieder verbrochen? Der Mensch war's. Er hat das Springkraut in Deutschland angesiedelt, weil er es als Zierpflanze gerne im Garten gehabt hat. So wie heute auch mit dem so sinnlosen und grausligen Kirschlorbeer der Fall ist, hat er nicht groß darüber nachgedacht, ob das gut oder schlecht ist. Das heißt, dass der Mensch in purer Absicht sein Denken ausschaltet und verantwortungslos handelt, weil er etwas haben möchte. In dem Fall wollte er eben eine sehr schnellwüchsige und dekorative Zierpflanze. Dass diese aus den heimischen Gärten zügig ausgebrochen ist, hat die Menschen nicht gestört. Schnell hat das Springkraut große Flächen für sich eingenommen und ja: Das konnte nur dadurch geschehen, dass der Mensch sehenden Auges die Natur im Stich gelassen hat. Das Springkraut ist nämlich an und für sich einfach zu bekämpfen. Als einjährige Pflanze reicht ein tiefer Abschnitt der Pflanze vor der Blüte und ein zweiter, wenn es sich erholt und neu austreibt. Als Flachwurzler ist es auch leicht auszureißen. Das Problem das dabei hinterlassen wird, sollte aber mit sofortiger Wirkung bekämpft werden: Die Leere!

 

Wo Insekten früher Nahrung und Brutraum gefunden haben, ist nach dem Ausreißen des Springkrautes NICHTS mehr. Das Springkraut als solches bietet den Insekten ja Nahrung. Deshalb gibt es aus Sicht eines befreundeten Biologen überhaupt nur eine einzige SINNVOLLE Lösung: Das Entfernen des Springkrautes und die sofortige Renaturierung.

 

Wir erinnern uns: Das Springkraut wächst so schnell und dynamisch, dass alles unterdrückt wird. Alle Futterpflanzen für Insekten. Deren kompletter, natürlicher Lebensraum. Damit die Insekten nicht plötzlich völlig ohne Nahrung dastehen, muss die Natur sofort wieder bepflanzt werden. Und zwar mit garantiert heimischen Pflanzen, um gerade auch spezialisierte Insekten zu versorgen. Tut man das nicht, hinterlässt man mit dem Ausreißen des Springkrautes viel Hunger und Not.

 

Ergo: Reißt das Springkraut nicht aus! Tut euch zusammen und macht eine wirklich sinnvolle und hilfreiche Aktion. Informiert euch, welche Pflanze wirklich heimisch sind. Besorgt Samen oder Ableger, Stauden, Sträucher, Bäume... Der Besitzer des Grundstückes kann euch sicher sagen, was da früher mal gewachsen ist. An der Stelle könnt ihr euch gleich die Erlaubnis von ihm geben lassen, sein Grundstück zu renaturieren. Dann entfernt das Springkraut VOR der Blüte. Und bepflanzt die so freigewordene Fläche sofort mit neuen, einheimischen Pflanzen. Tut ihr das nicht, dauert es Jahr, bis da wieder etwas wächst, was für die Natur sinnvoll ist. Zu lange für all die hungrigen Insekten.

Macht etwas, das wirklich sinnvoll ist. Und handelt nicht wie Menschen mit ausgeschalteten Gehirnen und sagt: "Ich will das aber nicht und darum reiß ich es einfach aus!" Das ist eine egoistisch, klassisch menschliche Verhaltensweise, die niemandem weiterhilft und mit dem ihr nur euer grünes Ego befriedigt!

Kommentar schreiben

Kommentare: 7
  • #1

    Irene Glaub (Dienstag, 22 Oktober 2019 19:42)

    "Der Mensch ist im Wesentlichen einfach ein Idiot. Das heißt nicht, dass er dumm wäre. Das heißt, dass er in purer Absicht sein Denken ausschaltet und verantwortungslos handelt." Besser kann man es nicht sagen. Guter Text und wert von vielen gelesen zu werden.

  • #2

    Martina (Mittwoch, 23 Oktober 2019 11:14)

    Woah, wir haben das immer wegwmacht. Und auf ein großen Haufen getan. Hab nicht gedacht das das schlecht sein kann.

  • #3

    Sonja (Donnerstag, 24 Oktober 2019 19:55)

    Ich lieb deine Texte so sehr!

  • #4

    Geli (Freitag, 25 Oktober 2019 14:36)

    YES Das ist, was ich immer sage. Aber keiner denkt da drüber nach. Das macht die Sache immer problematischer.

  • #5

    Rita (Sonntag, 27 Oktober 2019 09:50)

    Wir haben viel getan in diesem Jahr. Wir haben Jungimker davon abgehalten, Kurse bei anderen Jungimkern zu besuchen. Wir haben viele auf den richtigen Weg gebracht und andere zum Aufhören bewegt, bevor es zu spät ist. Wir haben drei Springkrautflächen renaturiert. Von solchen Themen solltest du viel mehr berichten. Bißchen Selbstbeweihräucherung darfst du dir ruhig gönnen. Immerhin gehörst du ganz sicher nicht zu denen, die viel reden und nichts tun, weil es vielen am Ende doch nur um Eigennutz geht.

  • #6

    Namen eingeben (Dienstag, 12 November 2019 11:13)

    Ich lieb vor allen Dingen deine Texte und die klaren Worte. Wenn die auch für so zart besaitete nicht so gut ankommen. Klar, direkt und deutlich. So biste halt. Lieb dich Süße!

  • #7

    Magdalena (Dienstag, 26 November 2019 21:46)

    Nichtwissen schützt vor Strafe nicht. Wir haben vor ca. 10 Jahren eine Fläche von ung. 1ha (langer Streifen am Wald lang) von Springkraut befreit. Da sind heut nur Brennesseln. Kein sonstiger heimischer Bewuchs. Große Teile werden auch wieder von dem Landwirt bewirtschaftet, der vorher das Springkraut stehen lassen hat. Ich empfind das heut so, dass die Arbeit umsonst war. Wir haben gemeint, da wachsen gleich nächstes Jahr heimische Wildpflanzen. Traurig