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Altkleider in den Container, oder wohin damit?

Viele Jahre bevor es Marie Kondo gab, habe ich schon in einem Buch über Feng Shui gelesen, wie wichtig es ist, sein Leben auszumisten. Darin stand die Weisheit, dass man alles, was man ein Jahr lang nicht gebraucht hat, aus seinem Leben entfernen soll. Was man ein Jahr nicht benutzt hat, benötigt man nicht und / oder es ist mit anderen Dingen kompensierbar. Das gilt natürlich auch für Kleidung. Ich miste aus, konsequent. Einmal im Jahr! Doch wohin mit all den Sachen, die man noch nutzen kann? Viele Leute geben ihre gebrauchte Kleidung in den Altkleidercontainer. Das macht ein gutes Gefühl: Irgendwelche armen Menschen bekommen dann diese Kleidungsstücke. So denken viele. Leider ist das fast immer falsch. Zwar gibt es in vielen Orten und Gemeinden Altkleidercontainer vom Deutschen Roten Kreuz, der  Diakonie und anderen sozialen Verbänden. Ein Aufkleber, der auf dem Container klebt, sagt aber nichts darüber aus, wer der Besitzer des Containers ist. Die Sozialverbände stellen nämlich gegen ein Endgeld ihr Logo gerne zur Verfügung, damit die Kleidersammler einen postivien Touch bekommen. Kritisiert wird diese Vorgehensweise zurecht von der Organisation FairWertung, einem Netzwerk von gemeinnützigen Organisationen, die Altkleider sammeln. Ihr Logo dürfen nur diejenigen gemeinnützigen Organisationen tragen, die sich bei der Altkleidersammlung an den Verhaltenskodex von FairWertung halten und somit wirklich Altkleider für den guten Zweck sammeln und bereitstellen.
Viele der Kleidercontainer sind aber von Firmen bereitgestellt, die die Kleidung eben so ganz und gar nicht sozial verwenden. Was geschicht mit den Kleidungsstücken? Nach Tauglichkeit sortiert landet ein Teil im Müll, ein weiterer wird geschreddert und zu Dämmmaterial weiterverarbeitet. Der Rest wird verkauft - auf die unsozialste Art und Weise. Denn diese Kleidungsstücke werden in Entwicklingsländer exportiert und dort verkauft. Die Folge ist, dass die heimische Kleidungsindustrie kaputt gemacht wird. Gebrauchtkleidung aus Deutschland und Europa ist deutlich billiger als vor Ort produzierte Kleidung. Die Leute sind deshalb nicht bereit, dafür zu bezahlen und kaufen lieber die importierte Secondhandware. Während der Verkäufer sich finanziell gesund stößt - es werden ihm ja Massen an Ware kostenlos zur Verfügung gestellt - werden Existenzen von Menschen zerstört, weil ihre Arbeit wegfällt. Fluchtursachen sind immer irgendwie geschäftlicher Natur. Den Reichtum des einen kann es nur durch die Armut des anderen geben.

Was also kann man tun, damit man mit so einer Ausräumaktion nicht am Ende noch Schaden für andere Menschen verursacht?

 

Ihr könnt darauf achte, dass auf den Altkleidercontainern das Logo von FairWertung prangt. Dann seid ihr auf der sicheren Seiten und wisst, dass eure Kleidung einem guten Zwecke zugute kommt. Ihr könnt die gebrauchte Kleidung aber auch direkt an soziale Verbände geben und entgeht damit dem Zweifel, dass sie in die falsche Hände gelangt, weil nur der Aufkleber einer gemeinnützigen Organisation auf dem Container klebt. Es gibt sogenannte Kleiderkammern von BRK, von der Caritas, AWO, Bahnhofsmissionen oder sonstigen gemeinnützigen Vereinen, die gerne für soziale Zwecke eure gebrauchte und gut erhaltene Kleidung annehmen und an Bedürftige weitergeben. Bitte bringt dort wirklich nur die Kleidung hin, die tragbar ist. Eure Spende muss sonst mühsam sortiert werden und macht zusätzlich Arbeit. Ebenso dann, wenn ihr die Kleidung in Sozialkaufhäusern abgebt.

 

Neuerdings gibt es hier in Traunstein auch eine tolle Sache und zwar den Öffentlichen Kleiderschrank. 

Das ist ein Kleiderständer der in einer Einkaufspassage nahe eines Cafes steht. Jeder kann dort seine nicht mehr benötigte Kleidung hinhängen. Und jeder der etwas findet, das ihm gefällt oder passt, hat die Möglichkeit, dieses mitzunehmen. Eine tolle Aktion, die das Wegwerfen völlig überflüssig macht. Vorraussetzung auch hier: Die Kleidung muss heil, sauber und tragbar sein.

 

Wenn ihr noch ein paar Euro verdienen wollt, bietet sich natürlich an, die gebrauchte Kleidung zu verkaufen. Es gibt verschiedene Portale im Internet. Ich favorisiere dabei Kleiderkreisel und mache hier unbezahlte Werbung. Kleiderkreisel ist eine tolle Plattform, auf der man einfach und schnell seine Sachen einstellen und verkaufen kann. Außerdem: Viele von euch wissen, dass ich bereits seit vielen Jahren nur gebrauchte Kleidung kaufe, um damit Ressourcen zu sparen. Die Auswahl auf Kleiderkreisel ist überwältigend!

Ihr könnt aber natürlich jede andere geeignete Plattform nutzen, oder einfach auf den Flohmarkt gehen und nicht gebrauchte Kleidungsstücke dort zu Geld machen.

 

Wenn alle Stricke reissen, dann bin ich auch noch da. Gerne nehme ich eure gebrauchte Kleidung, repariere sie, peppe sie auf oder mache ganz was Anderes draus. An dieser Stelle möchte ich mich genz herzlich bei all denjenigen Damen und Herren bedanken, die mich immer wieder mit gebrauchten Textilien versorgen, die dann nicht weggeworfen werden oder in fernen Ländern die Wirtschaft schädigen. Die Textilien werden von mir individuell verarbeitet und gehen weiter an den Endverbraucher, der damit der Natur und der Umwelt einen großen Dienst erweist.

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Kommentare: 2
  • #1

    Urbi (Samstag, 31 August 2019 13:36)

    Es wird so viel weggeworfen. Auf die Idee die Sachen NICHT in den Altkleidercontainer zu schmeisen bin ich nicht gekommen. Ich hab immer gemeint, das der Inhalt IMMER arme Menschen in Deutschland zu guten kommt.

  • #2

    Gitti (Samstag, 31 August 2019 17:29)

    Danke für die Anregung für den Kleiderständer! Und für die Infos natürlich!