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Mai - Zeit der Bienenschwärme

Bienen schwärmen. Das ist ein normaler Vorgang und dient der Völkervermehrung. Dieser Vorgang ist von der Natur erdacht und er ist sinn- und wirkungsvoll. Aus verschiedenen Gründen ist es für mich und viele andere Imker dennoch besser, die Völker nicht schwärmen zu lassen. Ein Grund ist, dass ein geschwächtes Volk zurückbleibt, das für die Honigernte in diesem Jahr nicht mehr zu gebrauchen ist. Ich führe diesen Grund als ersten auf, weil er für mich der unwichtigste ist. Ich bin auf die Honigernte nicht angewiesen und sie ist mir nicht das Wichtigste. Jeder der mich kennt weiß, dass ich meinen Bienen ohnehin einen großen Teil ihres Honigs überlasse. Einfach weil es das ist, was die Natur für sie vorgesehen hat.
Der zweite Grund ist für mich gewichtiger: Ich lebe in einer Wohnsiedlung mit Familien und kleinen Kindern. Nicht jeder Mensch behält angesichts eines Bienenschwarms die Ruhe. Als Imkerin trage ich auch Verantwortung dafür, dass meine Bienen niemanden belästigen oder gar in Angst und Schrecken versetzen. Dabei sollte durchaus beachtet werden, dass sammelnde Honigbienen im Garten keinesfalls eine Belästigung darstellen. Sie gehören zum normalen Alltag. Kleinliche Angriffe perlen von mir ab. Bei einem Schwarm habe ich aber durchaus Verständnis, dass man sich Sorgen um seine Kinder und Haustiere macht. Und letztlich auch um entstehende Schäden. Denn der Imker darf, um seinen Schwarm zu holen, fremde Grundstücke betreten. Zwar ist er verpflichtet, Schäden finanziell auszugleichen. Aber wie gleicht man z.B. ein Blumenbeet finanziell aus, das viele Jahre gebraucht hat, um zu der Pracht zu kommen und dann in wenigen Minuten kaputt getrampelt ist. Oder was bezahlt man für die Schäden an einem Baum, der viele Jahre dort gewachsen ist und dann für die Rettung des Schwarmes verstümmelt wurde? Es ist aus meiner Sicht einfach nicht möglich.

Auch ein weitere Sache hat für mich Gewicht: Wird der Schwarm nicht von mir oder einem anderen Imker gefangen, dann ist er eigentlich zum Tode verurteilt. Die Chance, dass er irgendwo einen Hohlraum findet, in den er einziehen kann, ist ganz klein. Und selbst wenn er eine findet, dann wird er zeitnah von der Varroamilbe umgebracht werden.

Für mich sind das die Hauptgründe für die sogenannte Schwarmverhinderung. Schwarmverhinderung ist ein großes Thema, das ich Laien hier sicher nicht im Detail vermitteln kann. Zur Schwarmverhinderung beobachtet man in erster Linie das Volk. Man achtet auf verschiedene Dinge, die da wären: Jahreszeit, Wetter, Volksstärke, Platzangebot und Beschäftigung der Bienen. Wenn man diese Dinge beobachtet, dann kann man schon recht genau sagen, wenn ein Volk zum Schwärmen neigen wird. Einiges davon kann der Imker beeinflussen. Ich kann viele der Bienen beschäftigen, indem ich ihnen rechtzeitig Arbeit gebe. Das Platzangebot kann ich auch anpassen. Andere nicht. Das Wetter ist einfach da. Wir können es nicht verhindern, einstellen oder sonstwie für uns passend machen. Starken Einfluss hat das Wetter auf die Flugbienen, die bei lang anhaltendem kalten und / oder regnerischem Wetter, um es mal vermenschlicht zu sagen, gelangweilt vor sich hin murren.

Während die Imkerin in der warmen Stube sitzt und Perlenschmuck fädelt oder Kleidung repariert und aufmotzt, bauen die gelangeweilten Bienen Weiselzellen, um darin eine junge Königin heranzuziehen. Sobald die Larve darin groß genug ist, dass die Zelle verdeckelt werden kann, ist es unumkehrbar: Die alte Königin wird mit einem Teil des Volkes ausziehen. Der Schwarm ist nicht mehr aufzuhalten.

Dieses Jahr ist ein perfektes Jahr für unaufhaltsame Schwärme. Der Beruf geht vor und so kann nicht jeder Hobbyimker ständig an einem der selten anfallenden warmen Tage seine Völker kontrollieren. In meinem Umfeld gibt es wirklich viele Schwärme. Bei meinem Bienen allerdings nicht und hier klopfe ich mal -toitoitoi- auf Holz! Ich hatte zwei geplante Schwärme an einem Außenstand. Warum man Schwärme trotz einiger Gründe, die dagegen sprechen, fallen lässt (so nennt man das Schwärmen lassen), ist ein anderes Thema. Jedenfalls konnte ich durch die Beobachtung der Natur und der Völker Schwärme bisher komplett verhindern. Andere hatten das Glück nicht. Und noch andere haben einfach keine Ahnung. Im Gespräch mit einem alten Imker zeigte sich dieser entsetzt. Er sagte wörtlich: ""Schwärme passieren jedem Imker mal. Aber was zur Zeit los ist, ist den Möchtegern-Imkern geschuldet, die glauben, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben!" Dem muss ich leider zustimmen.
Tatsächlich gibt es einen regelrechten Imkerboom hier in der Gegend. Viele der Neulinge haben gar keine Ahnung, oder aber ein derart mangelndes Wissen, das über rein technische Abläufe kaum hinaus geht. Weil es dadurch auch zu Problemen kommt, hatten wir  hier kürzlich ein Treffen mit Imkern und Imkerinnen. Wir wollten darüber reden, wie wir Einhalt gebieten und Schadensbegrenzung betreiben können. Dabei wurde auch eine Liste mit Vorfällen besprochen, die so niemals passiseren sollten. Darüber rede ich demnächst in einem neuen Blogeintrag und werde dort die Fälle auch auflisten!. Die Quintessenz des Treffens war eigentlich, dass es eine Prüfung geben müsse, in der Imker ihr Wissen unter Beweis stellen. Eine Art Sachkundenachweis. Das ist ein anderes Thema. Aber die Gründe für diese Forderungen liegen auf der Hand.

Neben der mangelnden Zeit zu Kontrollen ist es also oft auch Unwissenheit, die zu der wahnsinnigen Masse an Schwärmen führt.  Heuer surrt es an jedem Sonnentag. Meine Bitte an euch ist deshalb: Wenn ihr imkern wollt, dann lernt. Lernt nicht bei Spinnern und Heilsbringern oder selbst ernannten Flüsterern. Lernt bei Profis. Es gibt sehr gute, erfahrene Imker, die euch sicher gerne, so wie auch mir, ihr Wissen vermitteln. Lernt in Kursen bei Instituten oder in speziellen Schulen. Lernt bei Leuten, deren Wissen bekannt ist und lasst euch nicht von Selbstdarstellern Schrott unterjubeln. Und hört nie auf zu lernen.
Ich finde es regelrecht erschreckend, dass z.B. durch Stümper und Anfänger "Hilfe beim Einstieg" angeboten wird.
Wo Profis und Könner verhalten sind, bieten gerade Möchtegern-Imker, auch zwei Leute aus den Beispielen von oben, in meinem Umfeld Interessierten an, ihr Wissen an sie weiterzugeben. Ein regelrechter Krankheitskeim.

Um wieder das Thema und den Zusammenhang aufzugreifen: Schwärme kann man ganz oft verhindern. Einer der dafür nötigen Faktoren ist die Zeit für Kontrollen. Ein weiterer ist das Wissen um die Vorgänge und Abläufe im Bienenvolk. Allen anderen Faktoren müssen wir Imker uns fügen.

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Kommentare: 4
  • #1

    Rita (Samstag, 25 Mai 2019 00:23)

    Wirklich ein guter Text. Ich bitte dich aber von Herzen: nimm all die Stümperimkersachen, alle die wir besprochen haben, und fasse sie zur Abschreckung in einem seperaten Text zusammen. Sei so gut!

  • #2

    Klara (Sonntag, 26 Mai 2019 23:25)

    Hallo aus Bremen und Lob für den Text. Stimme dennoch mit Rita überein! Auch hier Dummimkerschwemme. Leider

  • #3

    Tom (Dienstag, 28 Mai 2019 14:20)

    Kann man sich drunter was vorstellen. Wie ist das mit Wildbinen schäwrmen die auch?

  • #4

    Lalaike Bernhard (Freitag, 07 Juni 2019 01:59)

    Ich liebe es, wenn du was schreibst. Du bist so leicht verständlich.