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Artenschutz und was der Einzelne tun kann

Artenschutz und Naturschutz sind in kürzester Zeit zu prägenden Themen in der Welt des Social Media geworden. Was angeboten und angepriesen wird, hat aber nur selten etwas mit Artenschutz zu tun. Ich habe für uns recherchiert!

Im Vorderund aller Themen über Artenschutz steht sehr häufig die Honigbiene. Deshalb möchte ich sie thematisch zuerst behandeln. Die gute Nachricht zuerst: Auch wenn oft so getan wird als ob: Die Honigbiene ist definitiv NICHT vom Aussterben bedroht. Dazu gibt es z.B. HIER Informationen oder HIER.

Ja, es ist richtig, dass es nur noch einen Bruchteil der Völker gibt, wie noch vor 30 Jahren. Aber wir haben auch nur noch einen Bruchteil des damals vorhandenen Nahrungsangebotes. Und durch die Monokultur, die natürlich nicht überall gleich ist, ist auch nicht überall der Nutzen der Honigbiene als Bestäuber relevant. Gerade hier am Chiemsee gibt es großflächig fast nur Mais und wenig anderes Getreide. Ab und zu ein Rapsfeld. Sprich: Die Bestäubungsleistung der Honigbiene reduziert sich auf Hausgärten und wenige Obstanger. Es gibt für das Angebot an Futter und nötiger Bestäubungsleistund ausreichend viele Völker in Deutschland und Europa. Das bedeutet also: Der Artenschutzfreund muss sich um eine Biene tatsächlich keinerlei Sorgen machen: Um die Honigbiene! Verzichtet deshalb bitte darauf, eine Patenschaft für ein Bienenvolk zu übernehmen oder die Patenschaft für ein Stück Blühwiese. Ich erkläre hier genauer, warum das so sinnlos ist.

Besorgniserregend ist der Zustand vieler Wildbienen. Um sie und um die vielen anderen aussterbenden Insekten müssen wir uns große Sorgen machen. Sie haben Schutz nötig. Um ihnen helfen zu können, sind für den Laien zwei Dinge wichtig: Den Insekten fehlt zum einen massiv ein Nahrungsangebot. Und es fehlt ihnen genauso ein Angebot an Lebensraum! Um ihnen helfen zu können, müssen wir ihnen also diese beiden Dinge anbieten. Das kann jeder mehr oder weniger, der einen Garten oder einen Balkon hat.
Fangen wir bei der Nahrung an. NEIN, stellt keinesfalls Schalen mit Zucker- oder Honigwasser hin, um Insekten zu füttern. Damit könnt ihr zum Insektenmassenmörder werden. Ich habe das HIER genau beschrieben!
Um Insekten mit Nahrung zu versorgen, können wir nur eines tun: geeignete Blütenpflanzen anbauen. Was aber ist geeignet?
Grob gesagt alles, was der heimischen Flora entspringt. Flächen in denen sich heimische Pflanzen ansiedeln, sind ideale Futterplätze für heimische Insekten. Was wild wächst und bei uns heimisch ist, bietet den heimischen Insekten Nahrung. So weit, so gut. Bei der Gartengestaltung oder auch für Pflanzungen auf dem Balkon sollten wir uns für eine sinnvolle Bepflanzung bewusst machen, dass wir grob strukturiert zwei verschiedene Bedürfniskomplexe bei den Wildbienen vorfinden.

1. Die Generalisten

Wie der Name es andeutet: Diese Wildbienen fliegen, ebenso wie die Honigbiene ALLE Blühpflanzen an, die Nektar oder Honig im Angebot haben. Sie tun sich deutlich leichter bei der Nahrungssuche, als die zweite Gruppe.

2. Die Spezialisten (oligolektische Pollensucher)

So wie wir es z.B. auch von vielen Schmetterlingen kennen, gibt es auch bei den Wildbienen und anderen Insekten Spezialisten. Sie benötigen spezielle Futterpflanzen für ihr Überleben.

 

Wollen wir jetzt also besonders die Spezialisten unterstützen, da sie es eh am Schwersten haben, sollten wir bei der Bepflanzung darauf achten. Auf dieser Homepage (unbezahlte Werbung durch Verlinkung) gibt es z.B. eine sehr gute Liste mit 133 geeigneten Wirtspflanzen zum Download. Auch hier (unbezahlte Werbung durch Verlinkung) finden sich einige gute Informationen über wichtige Futterpflanzen und Zusammenhänge.

Damit kann man schon sehr viel für die Artenvielfalt tun. Leider ist es aber so, dass durch die intensive Landwirtschaft, die Monokulturen in Wäldern und den vielen Flächen die Tag für Tag verbaut und versiegelt werden, auch so gut wie kein Lebensraum für Insekten mehr vorhanden. Und jetzt kommt die Hauptschwierigkeit: Für Wildbienen muss der Lebensraum in unmittelbarer Nähe der Nahrungsquelle sein. Ein Ort kommt aber nur dann als Lebensraum für Wildbienen in Frage, wenn er ausreichend trocken, warm und sonnenverwöhnt ist. Zusätzlich haben verschiedene Wildbienen auch unterschiedliche zusätzliche Ansprüche an ihren Lebensraum. Einige brüten in selbst gegrabenen Löchern im Boden, oder aber in bereits bestehenden Hohlräumen. Wieder andere mögen markige oder hohle Stängel, Totholz oder anderes Nistmöglichkeiten. Das richtige zu tun, um Wildbienen und anderen Insekten einen  Lebensraum zu bieten, ist also nicht so leicht. Insgesamt kann man aber folgendes sagen:

Räumt euren Garten nicht allzu sehr auf. Totholzhecken, Steinhaufen, Magerwiesen, wenn auch nur ein Stück vom großen Rasen, also alles was einfach so ist, wie es in der Natur vorkommen würde, ist auch gut für die Natur und damit für den Artenschutz.
Es macht auch Sinn, nicht immer alles gleich aufräumen zu wollen. Wer also in seinem Garten kleine Löcher im Boden findet und diese gleich zudrücken muss, hat mit großer Wahrscheinlichkeit ein Insektennest vernichtet. Wartet einfach mal ab, beobachtet und genießt die Natur, die Sonne und die Ruhe. Das tut euch gut und ist auch für die Artenvielfalt viel wertvoller, als wenn ihr den ganzen Tag mit Rasenmäher, Hacke und anderne Werkzeugen herumwerkelt.
Das gilt auch für seltsam verstopfte Löcher in Gartenmöbeln. Wer sowas findet und dann aufpopelt, zerstört mit hoher Wahrschienlichkeit das Nest einer Wildbiene. Lasst einfach mal alles, wie es ist. Achtet auf Puppen und Kokons, wenn ihr aufräumt. Man entwickelt einen Blick dafür und ist dann sehr erstaunt, was man bisher alles nicht gesehen hat.

Insektenhotels: Hm... Ehrlich gesagt stehe ich da mit Fragenzeichen in den Augen. Ich hatte eines, da war nie im Leben ein Insekt drin. Nicht mal ein Ohrenkneifer hat sich dort verirrt. Ich habe aber bei Freunden eines gesehen, da wimmelt es. ALSO: Insektenhotel JA, aber richtig. Was im Baumarkt und so angeboten wird, hat wohl für Insekten den gleichen Wohnwert wie jemand, der in einem Sternehotel absteigen will und dann nur noch einen Platz unter der Brücke mit den Füßen im Bach ergattert hat. Der LBV hat aber genau beschrieben, worauf es ankommt. Vor allen Dingen dann, wenn ihr so ein Hotel selbst bauen wollt. Aber ich denke, die Hinweise sind auch wertvoll, wenn man ein Insektenhotel kaufen möchte. Dann weiß man wenigstens, worauf man achten muss. Ich werde für den Link auf die Seite nicht bezahlt, finde einfach nur die Infos ganz gut: Insektenhotel LBV

 

Ich freue mich über erweitertes Wissen. Wer was zum Thema sagen will, bitte per Kontaktformular oder Kommentar unter dem Beitrag! Wenn was Wichtiges / Sinnvolles dabei ist, werde ich demächst ein Edit schreiben.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Laura (Dienstag, 30 April 2019 12:47)

    So ein Müll oder? Am Wochenende war ich bei einem Imker wegen Artenschutz was der gesagt hat war:Die Honigbiene stirbt aus und dann sterben wir alle!

  • #2

    Grüße aus Ulm (Dienstag, 30 April 2019 13:21)

    Das Wasser hast du vergessen. Und dass die fertigen Blühmischungen fast immer wertlos sind. Sonst stimme ich dir zu. Imker sind keine Artenschützer!

  • #3

    Dani (Mittwoch, 01 Mai 2019 23:14)

    Wieder was geleent. Hab gemeint das Honigbienen auch aussterben. �

  • #4

    Ruthi (Freitag, 03 Mai 2019 12:22)

    Danke für die Informationen!

  • #5

    Sassi (Montag, 06 Mai 2019 11:46)

    Danke schön, sehr informativ deine Seite. Ist noch jung oder? Aber ich mag deine Themen.

  • #6

    ... (Freitag, 06 September 2019 11:40)

    Da müssten halt aber mal alle Imker Farbe bekennen. Nicht nur du. Die alten kümmern sich eh nicht darum. Die sind halt Imker. Aber bei den jungen sind doch genug dabei welche sich als Artenschützer aufspielen.