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Samenbomben - NEIN DANKE!

Samenbomben oder auch Seedbombs sind Kugeln aus Lehm oder Erde, in die eine Pflanzenmischung eingeknetet wird. Diese Kugeln kann man selbst bauen oder auch fertig kaufen und dann verteilen. Es wird immer wieder so dargestellt, dass die Leute, die diese Kugeln auf fremde Grundstücke werfen - und dazu gehören auch städtische, Helden der Natur seien. Die Verteilung wird als Guerilla Gardening gesehen und hat bei vielen Menschen ein sehr postives Image. Leider zu Unrecht!
Ich predige rauf und runter, keine Saaten, egal ob in Form von Bällen oder einfach so per Hand, einfach auszubringen. Ich habe das im vergangenen Jahr schon getan, als irgendwelche Idioten mir Saatbomben über den Zaun geworfen haben. Meine Hunde haben diese Kugeln gottlob angeschleppt, bevor Schaden entstehen konnte. Nur aus Neugier hab ich die in einen Blumentopf gelegt und musste feststellen: Das was da wächst, hat mit der heimischen Flora nicht im Geringsten was zu tun. Das waren lauter Blütenpflanzen aus aller Herren Länder. So, jetzt kann man noch sagen, im Garten richten die ja keinen Schaden an, weil ich das als "Unkraut" erkennen und ausreissen werde. Ja, das ist richtig. ABER: kein Mensch hat das Recht auf unserem Grund und Boden irgendwelche Saatbomben zu werfen. Und was viel wichtiger ist: In der freien Natur verdrängen solche schnellwüchsigen Pflanzen unter Umständen die wenigen heimischen Pflanzen und tragen dabei zum Artensterben bei. Oder aber sie sind invasiv und verbreiten sich so schnell, dass die heimischen Pflanzenwelt direkt unterdrückt wird, was auf das Gleiche rauskommt. Bitte lasst es einfach bleiben!

Nicht nur der Grundstücksbesitzer wegen, die zurecht erwarte können, dass ihre Grundstücke dahingehend unangetastet bleiben, ist auch ökologisch gesehen das willkürliche Verteilen von Saaten in Gärten und im urbanen Raum prinzipiell aus den genannten Gründen fragwürdig. 



 

 

Es ist wieder der Wille zu mehr Artenschutz, zu Artenrettung, der diese seltamen Blüten treibt. Und auch die Industrie springt auf den seltsamen Ökozug mit auf und bietet an, was der willige Naturschützer kaufen möchte: Samenbomben sind mit allen möglichen Saatmischungen in mannigfaltigen Shops zu kaufen. Allen gemeinsam ist, dass sie sinnlos für den Arten- und Naturschutz sind. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber was ich bislang auch nach langer Rechcherche finden konnte, ist schlichtweg sinnlos, wenn nicht schädlich.  Auch die zahlreich im Internet kursierenden Anleitungen zum Selbermachen der Seedbombs sind keinen deut besser. Die vorgeschlagenen Samenmischungen stellen mir die Haare im Nacken auf, vor Grauen bei der Vorstellung, was da alles in die freie Natur ausgebracht werden soll. Mit solchen Samenbomben, oder auch offen ausgebrachten Samen erweist man der Natur einen Bärendienst, da die negativen Folgen für die Flora unermesslich sein können.

Zu den schnell erkennbaren Schäden durch Überwucherung und unkontrollierte Ausbreitung, kommt nämlich noch ein weiteres Problem dazu, das man oft nicht sofort erkennt. Man nennt es bei Tieren wohl intraspezifische Homogenisierung, was nicht mehr ist, als eine Faunenverfälschung durch fremde Genetik. Ob dieser Begriff auch auf Pflanzen tutrifft weiß ich nicht. Der Effekt ist aber da und er funktioniert durch das Ausbringen von Saatgut der gleichen Pflanzenart, jedoch mit einem anderen Gen-Dialekt. Diese Dialekte vermischen sich nun und wenn der andere Dialekt stärker ist, dann wird er sich durchsetzen. Wir Menschen sehen immer noch die Pflanze, meinetwegen einen Löwenzahn. Er sieht aus wie Löwenzahn, riecht wie Löwenzahn - ist aber nicht mehr DER Löwenzahn, den die Fauna in genau dieser Gegend benötigt. Insofern ist es ein unnutzbarer, sinnloser Löwenzahn geworden. Der Löwenzahn unserer Gegend, der Originallöwenzahn ist tot. Dieser Tod geschieht unsichtbar und schleichend. Aber er ist entgültig, wie jeder Tot. Wir kennen diesen Vorgang insbesondere durch unsere Honigbiene. Die Urbiene in Deutschland war die Dunkle Biene, die Apis mellifera. Sie ist nicht einfach so verschwunden. Sie wurde, um es mal sehr schlicht zu sagen, verwässert. Durch die Einführung und Zucht anderer Bienenrassen - die eben auch einfach Bienen sind, so wie Löwenzahn immer Löwenzahn ist, wurde die Apis mellifera so lange vermischt, bis sie zwarf weiterhin eine staatenbildende Honigbiene war, aber eben nicht mehr die Europäische Dunkle Biene sondern eine Mischbiene.

 

Betrachtet man also die möglichen, erheblichen und teils unabänderlichen Schäden durch das Ausbringen solchen Saatgutes, klingt es vernünftig, dass der Einsatz von regionalem Saatgut im Freiland für die Zukunft von Gesetz wegen verplichtend sein soll. Die derzeit laufende Übergangsfrist ist zum 1. März 2020  bundesweit verbindlich. Das Ziel dieser Vorgabe ist unser wichtigstes Ziel. Es ist das Ziel, das auch die selbst ernannten Guerillas anstreben, es aber um Längen verfehlen, nämlich der Schutz der Flora und Fauna.

Lange Rede, kurzer Sinn: Bitte bringt kein Saatgut auf anderer Leute Grundstücke aus. Die Besitzer dieser Grundstücke werden es euch danken. Und erst die Recht die Flora und Fauna!

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Kommentare: 3
  • #1

    Manja (Donnerstag, 25 April 2019 08:16)

    Die Klugheit muss man suchen. Sehr traurig dass es Leute mit deinem Engagement geben muss, um aufzuklären Danke!

  • #2

    T.A. (Freitag, 26 April 2019 00:31)

    Sehr informativ, danke! Wie so oft: Des einen (Guerillagärtner) Freud, des anderen (Natur) Leid. Kopf einschalten und nutzen!

  • #3

    Anja (Freitag, 26 April 2019 10:31)

    Das muss jetzt mal gesagt werden: Wo andere nur Umweltschutz schreien, da bist du zu 100 % dabei. Ich habe Hochachtung vor dir! Da können sich die ganzen Schwätzer (Dummbrummsummsl und Co) eine dicke Scheibe abschneiden! Bleib wie du bist! Du bist der Hammer!